Die Benjeshecke und der Zahn der Zeit

Unsere Totholzhecken sind jetzt sechs Jahre alt. Gebaut aus dem, was das verwucherte Grundstück hergab. Wahnsinnig praktisch, wahnsinnig lebendig. Aber der Zahn der Zeit… Der nagt jetzt an vielen Stellen ziemlich deutlich und die Frage: Wie sieht eine Benjeshecke nach mehreren Jahren aus?, die können wir inzwischen beantworten. Je nach Bauweise unterschiedlich – natürlich. Aber an manchen Stellen ist von dem lauschigen Holzhintergrund nicht mehr viel übrig. Das Thema ist auf jeden Fall interessant für alle, die eine Totholzhecke planen, schon angelegt haben oder darüber nachdenken.

Was ist ein Benjeshecke und woher kommt die Idee?

Benjeshecken sind mehr oder weniger ordentlich aufgeschichtete Totholzhecken. Benannt nach den Brüdern Hermann und Heinrich Benjes, die sie in den 1980er Jahren beschrieben und bekannt machten. Erfunden hatten sie das nicht. Über viele Jahrhunderte stapelten Bäuerinnen und Bauern ihr Schnittgut entlang der Grundstücksgrenzen, in manchen Regionen wurden dort auch die Steine abgeladen, die Jahr für Jahr vom Acker zu lesen waren. In diesen windgeschützten Haufen siedelten sich Sträucher an, die die vielerorts typischen Hecken oder Knicks entlang eines Ackers formten.

Durch die Brüder Benjes und die Arbeit vieler Naturschutzverbände erlebten diese Totholzhecken ein Revival, angepasst an kleinere Gärten und ordentlichere Sehgewohnheiten. Inzwischen ist die Benjeshecke vielen Menschen ein Begriff. Gemeint ist damit heute meistens der zwischen zwei Pfahlreihen ordentlich aufgestapelte Gehölzschnitt, der einen Garten gliedern oder einen Sichtschutz bieten kann und in dem viele kleine Tiere ein Zuhause finden.

So sehen Totholzhecken im Internet oder in städtischen Grünanlagen aus: kräftige Pfosten und gleichmäßiger Gehölzschnitt aus mehreren Jahren. Davor oft ordentlich gemäht, ein idyllischer Sichtschutz aus Holz.

Benjeshecke – Totholzhecke was sind die Unterschiede?

Benjeshecke und Totholzhecke meint in der Regel das Gleiche. Benjeshecke klingt eleganter und enthält vielleicht expliziter die Idee, dass der Totholzhaufen mit der Zeit verrottet und begrünt wird. Aber die meisten Leute verwenden beide Begriffen synonym, in diesem Artikel mache ich das auch.

Vorteile und Nachteile der Totholzhecke im Naturgarten

Die Totholzhecke hat im Naturgarten vor allem Vorteile. Eigentlich vielleicht in jedem Garten, der aus mehr als Rasen besteht. Sie bietet Lebensraum für viele Tiere und ist wahnsinnig praktisch für die faule Gärtnerin. Die Baumaterialien fallen meistens kostenlos an und die Hecke spart den jährlichen Weg zum Bauhof, wenn im Herbst und Winter Schnittgut vom Gehölzschnitt anfällt. Einfach alles obendrauf stapeln – fertig.

Und gibt es auch Nachteile? Nachteil würde ich nicht sagen. Aber: Eine Benjeshecke verändert sich. Das ist eigentlich auch die Idee davon. Das Schnittgut rutscht nach und nach zusammen und beginnt unten zu verrotten. Es entsteht Humus und zwischen den modernden Holzstämmen wachsen erst Brennnesseln, dann vielleicht Brombeeren und schließlich Haselsträucher. Ja nach Lage der Hecke, je nach Licht und Feuchtigkeit, dauert das länger oder kürzer. Wer möchte, dass die Benjeshecke langfristig wie ein uriger aber doch ordentlicher Äste-Stapel aussieht, der muss diesen natürlichen Lauf der Dinge verändern.

So sehen die Benjeshecken bei uns aus. Ziemlich wild und chaotisch. Gut zu sehen: Das immer weiter aufgehäufte Gestrüpp drückt die Pfosten nach links und rechts auseinander, die Gefahr, dass die nach ein paar Jahren unten abbrechen ist dann groß.

Benjeshecken von ordentlich bis wild

Im deutschsprachigen Internet gibt es Bauanleitungen für Benjeshecken, mit Maßen und Schritt-für-Schritt-Erklärungen, mit Hinweisen zu Genehmigungsverfahren, mit Tipps zur Pflege, zum Jäten und zur Bepflanzung. Das Ergebnis sieht anders aus, als vor Jahrhunderten am Ackerrand. Vielleicht sehr deutsch? Inzwischen werden Benjeshecken auch in städtische oder andere Grünplanungen einbezogen und bestehen dann, langlebig und ordentlich, aus langlebigen Rundhölzern, teils in stabilen Pfostenträgern, und aus gleichmäßig aufgeschichteten Ästen. Das ist natürlich toll. Denn auch so eine Benjeshecke schafft Lebensraum für totholzbewohnende Wirbeltiere, Würmer und Insekten und vermeidet Transportwege, weil das Schnittgut an Ort und Stelle bleibt.

In unserem wilden Waldgarten bestehen die Pfosten aus dem, was halt anfiel, also aus krummen und geraden Ästen von Ahorn, Robinie, Buchsbaum oder Fichte. Und innendrin findet sich ebenfalls eine wilde Mischung von dicken Stammstücken, dünneren Ästen, Heckenschnitt, Brombeerranken, Efeustücken und Schichten aus trockenem Laub. Das Ergebnis ist optisch ein bisschen wilder aber sehr lebendig. Es bietet unterschiedlich große Hohlräume für Heckenbrüter, hat nichts gekostet, weder Geld noch Benzin, da keine Baumaterialien transportiert werden mussten, und das Ganze war erst mal erfrischend unkompliziert. (Die Baupläne und Anleitungen im Internet haben wir erst später entdeckt.)

Brauche ich für die Benjeshecke eine Genehmigung?

Nein. Das Ganze ist kein Bauwerk. Auch wenn es sich so anfühlen kann. („Guck mal, das habe ich selbst gebaut!“) Allerdings kann es örtlich Regeln zu Einfriedungen geben, wer die Hecke also als Abgrenzung zwischen Vorgarten und Straße plant, sollte sich sicherheitshalber schlau machen. Und wer sie direkt zwischen sich und das Nachbargrundstück bauen will, spricht am besten vorher mit den Nachbar*innen. Auch zum Abbau einer Benjeshecke ist normalerweise keine Genehmigung erforderlich nicht. Da würde ich aber einmal ans Ende des Textes scrollen, es sind ein paar Hinweise zur Brut- und Setzzeit zu beachten…

Wie sieht die Benjeshecke nach einigen Jahren aus?

Professionelle Hecken mit imprägnierten Rundhölzern ohne Bodenkontakt verändern sich optisch nur wenig. Das Totholz in der Mitte sackt nach und nach zusammen und wird von oben aufgefüllt. Sträucher siedeln sich hier meistens nicht an und die Pfosten halten lange.

In unserer selbstgemachten Naturmaterialien-Hecke hingegen, passiert genau das, was die Brüder Benjes so nützlich fanden. Das Holz mit Bodenkontakt verrottet recht schnell. Und leider auch die ungeschützten Holzpfosten. Nach sechs Jahren sind sie an vielen Stellen unten abgefault und die Hecke ist, je nach Höhe, in sich zusammengerutscht oder umgestürzt. Pflanzen haben sich hingegen nicht wirklich etabliert, obwohl wir an einigen Stellen auch junge Sämlinge eingepflanzt hatten. Holunder und Hasel stehen noch immer recht wacklig vor der Hecke, die Waldrebe ist nicht angewachsen und an keiner Stelle haben Efeu oder Brombeere aus der Hecke heraus ausgeschlagen, wie das im Internet oft befürchtet wird.

Den mittleren Pfosten hat es weit nach vorn gedrückt, andere sind unten ganz abgefault. Je nach Statik kippt der Holzhaufen dann um oder sackt weiter in sich zusammen.

Was tun, wenn die Benjeshecke zusammenbricht?

Den Fall hatten wir jetzt also. Nach dem historischen Vorbild könnten wir das auf sich beruhen lassen, denn schließlich soll das verrottende Totholz vor allem den wachsenden Sträuchern als Starthilfe dienen. Aber wir haben die Benjeshecken teilweise als Grundstücksbegrenzung genutzt und da wollen wir doch weiterhin eine kleine optische Einfriedung und keinen breiten Holzhaufen haben. Im Internet finden wir: „morsche Pfähle werden später einfach ausgetauscht“. Aha. Ganz einfach. Das ist allerdings eine recht mühselige Arbeit. Direkt an der Hecke komme ich mit dem Erdbohrer nicht richtig dran, Löcher für neue Pfosten müssen also mit dem Spaten gegraben und dabei das halbverrotte Astgestrüpp irgendwie wieder aufgeschichtet werden. Wenn ein höherer Teil wirklich umstürzt, muss alles beiseite geräumt werden, um neue Pfosten setzen zu können.

Achtung Naturschutz: Schonzeiten für die Totholzhecke

Die Benjeshecke gilt naturschutzrechtlich als „Hecke“, auch wenn da noch nicht viel dran wächst. Heißt: Die Brut- und Setzzeit vom 01.03. bis 30.09. schützt auch die Benjeshecke. Wenn größere Arbeiten anstehen (auch zur Reparatur), dann sind die zwischen Oktober und Februar zu erledigen, um keine im Geäst brütenden Vögel zu stören. Ich habe unsere Hecke im Februar saniert und da zwitscherte es schon ganz schön laut um mich her. Ein neugieriges Rotkehlchen kam immer mal schauen und ich war froh, dass ich die Arbeit zügig fertigstellen konnte.

Im unteren Teil einer Totholzhecke können allerdings auch Kröten oder Igel überwintern. Also falls ihr mal eine Hecke auflösen wollt, dann würde ich im Februar vorsichtig alle oberen Äste abtragen, die unteren 40 cm liegen lassen und die dann erst im Sommer wegräumen. Dann ist der Igel ausgezogen und die erste Brutphase der Vögel geschafft. Auf jeden Fall vorsichtig sein.

Örtliche Baumschutzsatzungen schützen häufig auch Heckenbestände, wenn diese eine bestimmte Größe übersteigen (z.B. 50 Quadratmeter). Das spielt allerdings aus Platzgründen in den meisten Gärten keine Rolle.

So hält die Totholzhecke länger

Pfostenträger, Punktfundamente oder kesseldruckimprägnierte gekaufte Pfosten wären eine Möglichkeit. Für uns sind sie keine Option. Kein Auto, zu teuer und eigentlich wollen wir das mit dem hinkriegen, was da ist. Machen wir die Hecke einfach alle fünf Jahre neu? Oder finden wir andere Wege? Nicht verrottet sind die Pfosten aus Robinienholz. Die hat nicht jeder zur Hand, aber bei uns musste anfangs eine große Robinie stark zurückgeschnitten werden. Bei der Reparatur versuche ich also, jeden zweiten oder dritten Pfosten aus Robinienholz zu setzen. Mit kräftigen Haselruten flechte ich ein paar Mal durch die Pfostenreihe. Das stabilisiert die Pfosten untereinander, falls dann der erste wegbricht. Im hinteren Teil des Gartens, wo wir Platz haben und keine Nachbarn, da werden wir am Saum der Hecke viel entschlossener pflanzen. Dort könnte die Benjeshecke dann beim nächsten Zusammenbrechen vielleicht schon von eine wilden Natur-Hecke aus Liguster, Hasel und Heckenkirsche ersetzt werden.

Neben den Pfosten scheint auch der Inhalt eine Rolle zu spielen für die Haltbarkeit. Beim Nachbarn sind die Totholzhecken fast genauso alt. Und während eine auch umgefallen ist, steht die andere wie eine Mauer. Anders als bei uns besteht sie aus recht ordentlich gestapelten, eher trockenen Ästen, kein Unkraut, kein Laub, wenig Feuchtigkeit und Pilze. Hier wirkt es, als würde der Inhalt eigentlich von selbst am richtigen Fleck liegen bleiben, dadurch gibt es wenig Druck auf die Pfosten.

So habe ich die Totholzhecke repariert: mit vielen Pfosten, die entweder krumm sind, aber aus Robinie, oder eben besonders dick. Und mit einigen Hasel-Flechtruten, die dem Ganzen mehr Stabilität geben. Damit nicht alle Last auf einem Pfosten landen kann. Das Ganze sieht etwas ordentlicher aus als vorher, gefällt mir aber zugegeben auch sehr gut.

Tipps zur Planung, damit die Benjeshecke langfristig gut aussieht

Vor dem Bau würde ich heute einmal innehalten und mich fragen: Wieviel (optische) Ordnung wollen wir? Und welche Optik finden wir schön? In der Sonne wird der Gehölzschnitt eher trocken und silbrig. Im feuchten Schatten sind auf dunklem Holz Moose und Pilze zu bewundern, das Ganze vermodert schneller. Vor allem aber: Was wollen wir von der Totholzhecke, was soll sie in unserem Garten leisten?

Soll die Benjeshecke vor allem am Anfang Gehölzschnitt aufnehmen und dann nach und nach verrotten und zur Hecke werden, wie früher zwischen zwei Feldern? Dann ist keine zusätzliche Planung nötig, die Natur freut sich dreifach, aber die zukünftige Hecke braucht Platz. Einfach einige Jahre lang Gehölzschnitt in die Benjeshecke stapeln, vielleicht einige Lieblingsgehölze an den Fuß des Asthaufens pflanzen und dann die Sache sich selbst überlassen.

Oder soll die Benjeshecke ein langfristiges Gliederungselement aus Naturmaterialien sein? Ein malerischer Windschutz hinter der Gartenbank, ein Sichtschutz zum Nachbarn, in dem Jahr für Jahr das Rotkehlchen brütet? Dann würde ich mir über die Haltbarkeit der Pfosten doch Gedanken machen. Sehr haltbares Holz (Douglasie, Robinie, Eiche, Lärche) oder metallene Pfostenträger? Vielleicht sogar mit eingeflochtenen Haselruten? Wer einfache Holzpfosten verwenden sollte alle zwei Jahre einige morsche Pfosten ersetzen. Dann bleibt die Hecke stabil und fällt nicht irgendwann um. Zur Bepflanzung eignen sich rankende Stauden oder einjährige Kletterpflanzen, unter denen das Holz noch hübsch durchschimmert.

Beim Aufschichten gilt: je stabiler die Hölzer aufeinander liegen, desto eher bleiben sie an Ort und Stelle, auch wenn die ersten Pfosten nachgeben. Wer hingegen, wie wir, einfach alles unsortiert oben draufstapelt, riskiert, dass das Schnittgut den Holzstapel nach außen drückt und damit auch die Pfosten belastet. Und: Unkraut und Laubschichten sind für die Biodiversität toll, wenn die Hecke eher feucht steht, tragen sie aber auch zu einem guten Millieu für Pilze bei. Und dann verrottet das Ganze schneller.

Fazit: Bei Benjeshecken in die Zukunft denken

Keine Frage, ich finde das Konzept immer noch toll und würde auch heute wieder eine Totholzhecke anlegen. Aber wie eigentlich immer im Garten: Die zeitliche Dimension ist wichtig. Schon in fünf bis sechs Jahren verändert sich viel, und die sind schneller rum, als gedacht. Heute würde ich sagen: Wer wenig Arbeit haben will, achtet auf sehr stabile Pfosten, gute Statik beim Stapeln und wenig Feuchtigkeit in der Hecke. Oder hatten wir einfach Pech und anderswo halten die Benjeshecken einfach so 15 Jahre?

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