Basics für den neuen Garten

Ihr habe einen Garten ergattert, aber noch nicht so viel Erfahrung? Ihr wisst nicht, wo ihr anfangen, wie oft ihr gießen und welches Beet ihr umgraben sollt? Urban Gardening ist bei euren Freund*innen im Trend und ihr wollt euch nicht blamieren? Hier kommen die wichtigsten Infos, die Dos und Don’t für Anfänger*innen im Garten.

Lazy Gardening im neuen Garten

Ein neuer Garten bringt oft viel Arbeit. Sei es, weil er verwildert ist, weil Altlasten zu entsorgen sind oder weil die Gestaltung euch vielleicht nicht zusagt. Ich hatte anfangs mitunter das Gefühl, dass mich jede Ecke des Gartens anzuquatschen schien: „Ey, hier musst du noch, du wolltest doch das hier noch, guck mal das hast du noch gar nicht auf deiner Liste…“ Puh. Wollte ich mich hier nicht entspannen? Glücklicherweise hatte ich vorher mal irgendwo das hier gelesen:

In einem neuen Garten sollte man im ersten Jahr möglichst wenig machen. Sondern erst mal viel beobachten.

Warum? Um den Garten kennenzulernen. Wo ist im Jahresverlauf wieviel Sonne und Schatte? Welche Ecken trocknen schnell aus, welche nicht? Wo ist es im Frühjahr als erstes warm? Welche Pflanzen sind vielleicht schon da und zeigen sich erst im Laufe des Jahres? Mithilfe dieser Beobachtungen lassen sich dann die richtigen Plätze für Bäume, Sträucher und Erdbeerbeet finden. Wer also gerade im ersten Jahr mehr in der Hängematte liegt, als auf den Knien Beet, macht das genau richtig. Aber weil viele auch gern direkt loslegen wollen, hier die wichtigsten Infos.

Werkzeug für Gärtner*innen

Diese Dinge werdet ihr vermutlich auf jeden Fall brauchen: Schubkarre, Spaten, Grabgabel, Hacke, Ast- und Rosenschere, kleine Handschaufel, kleine Hacke oder Jätefaust, Handschuhe, Eimer und Gießkanne. Meisten lohnt sich Qualität, aber die hat ihren Preis. Meine Empfehlung wäre, Dinge nach und nach zu kaufen, sobald ihr merkt, dass ihr sie wirklich braucht. Denn das kann von Garten zu Garten verschieden sein. Zu den wichtigsten Teilen unseres Werkzeugschuppens gehörten im ersten Jahr eine Spitzhacke und ein Erdbohrer. Und das ist eigentlich nicht das, was ich auf die Liste der wichtigsten Werkzeuge für Gärtner*innen schreiben würde.

Für Garten-Neulinge: Basiswissen über Pflanzen

Pflanzen brauchen zum Wachsen Licht, Wasser und Nährstoffe. Wieviel von jedem, das ist sehr unterschiedlich. Wenn Standort und Pflanze gut zusammenpassen, gibt es gesunde Pflanzen und wenig Arbeit. Der Wasser- und Lichtbedarf steht normalerweise beim Einkauf auf dem Pflanzetikett (also nicht gleich wegwerfen). Pflanzen mit kleinen oder silbrigen, mit stark behaarten oder ledrigen Blättern sind in der Regel an trockene sonnige Standorte angepasst. Sie brauchen viel Sonne und einen mageren Boden, wo Wasser gut abläuft. Pflanzen mit großen, dünnen und weichen Blättern brauchen meistens mehr Feuchtigkeit und vertrage auch eher etwas Schatten.

Das Wichtigste über den Boden

Boden im Garten sieht oft ganz anders aus als in der Blumenerde-Tüte. Das ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. Klar ist: je vitaler der Boden, desto glücklicher die Pflanzen. Denn aus dem Boden ziehen sie Wasser und Nährstoffe. Dabei hilft ihnen eine unglaubliche Menge an Bodenlebewesen, von sichtbaren großen Regenwürmern bis hin zu winzigen Pilzen, Algen und Einzellern. Diese Helferlinge leben von organischem Material – also von Blättern, Grasschnitt und abgestorbenen Pflanzenresten, die oben auf der Erde liegen. Das ganze Gefüge ist komplex und empfindlich. Damit es gut funktioniert, sollte es möglichst wenig gestört werden. Für Gärtner*innen heißt das:

  1. Nur in Notfällen umgraben, denn dadurch geraten die verschiedenen Bodenschichten mit ihren spezialisierten Bewohnern völlig durcheinander.
  2. Den Boden möglichst wenig verdichten. Also auf Beeten nicht herumlaufen.
  3. Bei Nässe ist der Boden besonders empfindlich. Also nach kräftigem Regen bitte die Hände in den Schoß legen.
  4. Die Bodenlebewesen füttern, zum Beispiel durch Gründüngung und Mulchen.

Was heißt Mulchen?

Mulchen bedeutet, den Boden mit etwas zu bedecken. Zum Beispiel mit Grasschnitt, ausgezupften Unkräutern, Laub, Heu oder Stroh. Aber auch Pappe, Schafwolle oder Holzspäne können sich unter Umständen eignen. Warum wird gemulcht? In der Natur gibt es kaum nackten Boden. Dort würde sofort etwas wachsen und den Boden vor Sonne, Erosion und Verschlämmung schützen. All das leistet auch eine Mulchschicht, sie schützt die Bodenstruktur, füttert die Bodenlebewesen und hält die Feuchtigkeit in der Erde. Je nach Standort kann sie unterschiedlich dick sein. Wer viele Schnecken hat, sollte nur dünn mulchen. Wenn es sehr heiß und trocken ist, können aber auch 5-10 cm gerade richtig sein.

Der neue Garten – welche Arbeit muss sein?

Was muss im Garten unbedingt gemacht werden, wenn dafür gerade wenig Zeit ist? Wer Rasen hat, sollte diesen gelegentlich mähen, es muss aber nicht alle zwei Wochen sein. Im Herbst müssen Rasenflächen von Laub befreit werden. Manche Gehölze brauchen regelmäßigen Schnitt, um reichlich zu blühen und zu fruchten. Sie gehen aber nicht ein, wenn man das mal ein Jahr lang nicht macht. Frisch gepflanzte Stauden, Beerensträucher und junge Obstbäume freuen sich, wenn der Boden zu ihren Füßen gejätet und dann dick gemulcht wird.

Habt ihr offene Beete, die ihr behalten wollt, aber dieses Jahr ist keine Zeit dafür? Dann könnt ihr eine nicht frostharte Gründüngung sähen. Die hält Wildkräuter fern, schützt den Boden und gibt das Beet im nächsten Winter von selbst wieder frei.

Welche Arbeit im Garten ist weniger dringend?

Je nachdem, was ihr erreichen wollte, können diese Aufgaben natürlich nötig sein. Aber wer sich gestresst oder überfordert fühlt oder schlicht zu wenig Zeit hat, kann auf diese To-Dos meist mit gutem Gewissen verzichten:

  • Umgraben. Stört den Boden und ist eigentlich nur nötig, wenn neue Beete angelegt werden.
  • Tägliches Gießen (s. Abschnitt Gießen).
  • Grünschnitt wegfahren. Je weniger je besser. Denn alles was weggefahren wird, muss in Form von Dünger oder Kompost auch wieder rangeschafft werden. Über Totholzhecken oder Heckenschnitt-Haufen freuen sich viele Tiere. Laub ist im Herbst ein wertvoller Mulch-Dünge-Schutz für Beete und Baumscheiben (jedoch nicht für den Rasen). Auch Thuja- und Kirschlorbeer kann geschreddert und mit anderen Komponenten gemischt auf den Kompost – oder direkt zum Mulchen der Hecke verwendet werden.
  • Kompost umsetzen. Das Umsetzen bringt Luft in den Kompost und beschleunigt die Zersetzung. Wer keine Lust oder keine Zeit dafür hat, muss einfach etwas länger warten, bis der Kompost fertig ist.
  • Unkrautjäten. Also Jein. Wer den Garten nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten will, kommt da natürlich nicht drum rum. Es schadet aber dem Garten nicht, wenn in Randbereichen und unter Gehölzen ein paar mehr Wildkräuter und Blumen wachsen.
  • Neues Pflanzen. Das ist natürlich wunderschön. Aber nicht eilig. Und oft zahlt es sich aus, neue mehrjährige Pflanzen nur nach und nach zu setzen.

Richtiges Gießen im Gemüsegarten

Richtiges Gießen spart im Garten viel Zeit und Wasser. Meist ist es seltener nötig, als gedacht. Hier eine Kurzfassung der wichtigsten Tipps für ressourcenschonendes Gießen:

  • Pflanzen von Anfang an selten und dafür durchdringend wässern. Selten heißt: wenn es länger nicht regnet ca. 1-2 Mal pro Woche (frisch Gepflanztes in der ersten Zeit öfter). Durchdringend heißt: So viel, dass das Wasser an den Pflanzenwurzeln vorbei in die Tiefe sickert. Dafür sind in der Regel 10-20 Liter Wasser pro Quadratmeter nötig. Das ist eine Menge. Aber nur so lernen die Pflanzen, ihre Wurzeln in die Tiefe zu schicken.
  • Im Sommer nur abends oder sehr früh morgens gießen, sonst verdunstet die Hälfte des Wassers auf den obersten Bodenmillimetern. Bei Schneckenproblemen lieber morgens als abends.
  • Verschlämmten Boden regelmäßig auflockern (hacken). Wer mulcht, kann sich das sparen.
  • Gut eingewachsene Sträucher und Bäume benötigen nur in langen Trockenzeiten Wasser. Auch dann gilt: Selten aber viel! Bäume haben ihr Feinwurzeln nicht direkt am Stamm, sondern im Bereich des Kronenrandes.

Zusammenfassung: Das Wichtigste zur Gartenpflege

  1. Den Boden schonen. Beete besonders bei Nässe nicht betreten. Umgraben vermeiden.
  2. Sinnvoll gießen. Lieber selten und dafür reichlich, damit die Pflanzen tief wurzeln.
  3. Viel mulchen. Den Boden mit Heu, Rasenschnitt oder Unkraut bedecken. Verbessert den Boden und spart Arbeit.
  4. Natürlich düngen. Wenn ihr habt, ist Kompost gut. Alternativ etwas Hornmehl streuen oder organischen Dünger. Keinen Mineraldünger verwenden, das wird nur weggeschwemmt und belastet das Grundwasser. Viele Gartenböden enthalten eher zu viele Nährstoffe.
  5. Viel kompostieren. Möglichst alles, was ihr abschneidet oder jätet, kompostieren oder gleich als Mulch zwischen den Pflanzen liegen lassen.
  6. Rasen freihalten. Der muss im Herbst tatsächlich von Laub befreit werden.
  7. Unordnung erlauben. Jeder Asthaufen und jede Brennnesselecke ist ein Traum für die Natur. Insekten danken es, wenn abgestorbene Pflanzenteile nicht im Herbst, sondern erst im Frühjahr abgeschnitten werden, da viele als Larven an den trockenen Stängeln überwintern.
  8. Ordentlich chillen. Innehalten, beobachten, Zeitlassen. Das macht nicht nur schön, sondern nützt auch der Gartenplanung.

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